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Steinfurt

Dieses ist die Beschreibung der Kreis-Stadt Steinfurt mit ihren früheren Bauerschaften, den ihnen folgenden Gemeinden und den Kirchengemeinden (Kirchspielen).

Geschichte

Die Stadt besteht aus den beiden Ortsteilen Burgsteinfurt und Borghorst mit jeweils drei Bauerschaften.

Burgsteinfurt: Hollich, Sellen und Veltrup

Borghorst: Dumte, Ostendorf und Wilmsberg

Burgsteinfurt

Burgsteinfurt ist ein Ort im Münsterland. Stark evangelisch geprägt, mit der ältesten Hochschule Westfalens, mit Bürgerhäusern aus allen Epochen und einem Wasserschloss unterscheidet sich „Stemmert“ von seiner Umgebung. Hinzu kommt die reizvolle Landschaft, voran das Bagno, ein grüner Vergnügungspark aus dem 18. Jahrhundert mit einer der ältesten freistehenden Konzerthallen Europas.

Zur Gründung der Stadt haben wohl mehrere Faktoren beigetragen: die vorangegangene bäuerliche Besiedlung des Umlandes, die Burg als Herrschaftszentrum, eine verkehrsgünstige Furt im Fluss und die Lage an einem Knotenpunkt mehrerer Fern- und Handelswege. Die Bauerschaften im Umland Hollich, Sellen und Veltrup sind wesentlich älter als Burgsteinfurt. Die um 890 erwähnte „Villa Seliun“ (Werdener Urbar A Teil 3; Kötzschke 1906, Bd. 2, CXI, 39) ist das erste schriftliche Zeugnis einer Besiedlung des Steinfurter Stadtgebiets. Sie war vermutlich ein größerer Hof in der heutigen Bauerschaft Sellen. Bei Ausgrabungen in diesem Bereich, in der Steintorfeldmark, fand sich eine frühe Gehöftsiedlung des 9. bis 12. Jahrhunderts. Die alten Bauerschaften wurden 1939 eingemeindet.

Der Name „Steinfurt“ leitet sich von einer steinernen Durchfahrt, einer Furt, durch den Fluss Aa ab. Die Furt war eine der wenigen Stellen, an denen man den Fluss mit Gespannen durchqueren konnte. Wer die Furt kontrollierte, hatte Macht und konnte Wegezoll einfordern. Flusspassagen waren auch Orte, an denen Handel betrieben wurde. Bereits vor 1129 übernahmen zwei Edelherren „de Steinvorde“, Ahnen der heutigen Adelsfamilie Bentheim-Steinfurt, die Kontrolle über die Furt und die dazugehörigen Wege.

Das Geschlecht von Ascheberg hatte seine Burg in der Nähe der heutigen Verbindungsstraße Steinfurt-Emsdetten, der „Via regis“, dem Heer- und Handelsweg des 9. Jahrhunderts, in die germanischen Ostgebiete und nach Münster. Der Legende nach sollen die Ascheberger 1164 die Tatsache, dass die Steinfurter verreist waren, genutzt haben, um deren Burg zu zerstören. Nach ihrer Rückkehr rächten sich die Steinfurter, indem sie die Burg von Ascheberg dem Boden gleichmachten. Das Geschlecht der Ascheberger starb 1206 aus, die Steinfurter bestimmten von nun an die Geschicke der Region.

Der Erbauer des Schlosses Burgsteinfurt (Wasserburg) war der Edle Rudolf II. von Stenvorde. Er wurde im Jahr 1155 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Die Edelherren von Steinfurt erweiterten ihren Besitz zur Herrschaft, später Grafschaft Steinfurt.

Nach Erlöschen des Geschlechts der Edlen von Steinfurt im Jahr 1421, verfiel die Burg, da die Erben, die Grafen von Bentheim, eigene Schlösser bewohnten. Der Sohn der Gräfin Walburg von Brederode, Arnold, setzte diese Burg 1558 wieder instand.

Die Edelherren von Steinfurt vertraten offensichtlich eine liberale Siedlungspolitik. Sie boten Kaufleuten, Handwerkern und anderen so genannte Ackerbürgern Häuser in verkehrsgünstiger Lage an der Furt an. Die Bewohner mussten im Gegenzug einen kleinen Obolus in Geld, Wachs oder Hühnern entrichten. Schnell entwickelte sich aus der alten Bauernsiedlung Villa Veliun eine Art Marktsiedlung. Die Siedlung wurde 1338 in einer Urkunde als „unse Stat to Stenvorde“ bezeichnet.

1558 gründet Graf Arnold III. zu Bentheim und Steinfurt das Gymnasium Arnoldinum. Diese Schule stand als Universität einst, auch in Holland, in hohem Ansehen. 1591 bis 1593 lässt Arnold IV. die Hohe Schule Steinfurt bauen. Graf Arnold IV. von Bentheim (1564–1606), ein baufreudiger, humanistisch gebildeter Renaissancefürst, war überzeugt, im Besitz der „reinen unverfälschten Apostolischen Lehr“ zu sein, die er in mit der calvinistischen Konfession, dem „reformierten Bekenntnis“, in seinen Herrschaftsgebieten (1587–91) einführt.

Die alten Wachtrollen für Steinfurt hielten die Namen der Bürger fest, deren Pflicht es war, „tho wake und to yse“, d. h. die Verteidigungsanlagen zu bewachen und eisfrei zu halten. Im Winter, wenn der Stadtgraben zugefroren war, musste das Eis aufgehackt werden, um die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten. Dafür wurde die Bürgerschaft in drei Stadtbezirke, die sogenannten „Eise“ eingeteilt (Kirchsträßner Eis, Steinsträßner Eis, Wassersträßner Eis).

Das Gebiet der Stadt wurde im Dreißigjährigen Krieg wiederholt von den kriegsführenden Parteien heimgesucht. Um 1623 fand in der Nähe von Burgsteinfurt ein Gefecht zwischen Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel und der Vorhut von Tillys Heerscharen statt. 1634 wurde die Stadt und das Schloss von Truppen des Fürstbischofs von Münster besetzt, später folgten die Hessen. Um 1647 wurde die Stadt von den Kaiserlichen eingenommen. Am Ende des Krieges waren rund 320 Häuser verwüstet. Nach Angaben sollen nur 50 zum Teil verarmte Menschen in der Stadt übrig geblieben sein. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 gab es nur ein kurzes Durchatmen, denn 1660 ließ der damalige Bischof Christoph Bernhard von Galen die Stadt widerrechtlich besetzen.

Der Bischof erzwang auch die Mitbenutzung der Großen Kirche für Katholiken. Erst durch einen Vergleich im Jahre 1716 wurde die Besatzung beendet. Kurze Zeit später wurde in Steinfurt die katholische Pfarrkirche im Stil des Barocks errichtet. Auch im Verhältnis zum jüdischen Glauben erwies sich die Grafschaft Steinfurt als liberal.

Es begannen ruhigere Zeiten. Die Stadtgräben und Wälle wurden planiert und das neu entstandene Land den Bürgern zur Bewirtschaftung überlassen. Graf Karl Paul Ernst von Bentheim-Steinfurt machte sich Gedanken über die Erhöhung der Wirtschaftskraft. Bedingt durch Reisen ins Ausland kam er auf die Idee, östlich vom Schloss einen Vergnügungspark nach französischem Vorbild anzulegen, das so genannte Steinfurter Bagno (nach ital. il bagno = das Bad).

Borghorst

Das Borghorster Gebiet war schon im 8. Jahrhundert besiedelt, das belegen Baumsargfunde in der Nähe der Pfarrkirche. Die Grafen, welche hier wohnten, führten urkundlich den Namen Grafen von Borchorst oder Edle von Borchorst. Der Ort wurde am 23. Oktober 968 erstmals in einer Urkunde erwähnt. In dieser Urkunde wurde der Gräfin Bertha und ihrer Tochter Hathewig von Kaiser Otto I. gestattet, ihre befestigte Burg in eine klösterliche Lebensgemeinschaft (Kanonissen), das spätere, freiweltlich-adelige Damenstift Borghorst, umzuwandeln. Auch der Bau der ersten Kirche wurde durch drei Kaiserurkunden bestätigt. Es sind dies die Urkunden der sächsischen Kaiser Otto I., Otto II. und Otto III. aus den Jahren 968, 974 und 989. 1811 wurde das Stift nach 843 Jahren aufgehoben.

Mit dem fortschreitenden Wachstum wurde 1885 die alte Stiftskirche abgebrochen, um eine neue, erheblich größere Kirche errichten zu können. Diese neue Pfarrkirche St. Nikomedes entstand 1885–1889; ihr Architekt war der in Köln geborene Hilger Hertel der Ältere (1831–1890), der an der Kölner Dombauhütte ausgebildet worden war. Der Kirchenraum hat eine Gesamtlänge von 66 m, ist 26 m breit und 21 m hoch; damit ist die Kirche eine der größten Hallenkirchen in Nordrhein-Westfalen. Die Turmhöhe der Kirche beträgt 99 m. Während der Bauzeit ereigneten sich drei tragische Unfälle, bei denen ein Bauarbeiter schwer und zwei tödlich verletzt wurden.

Am 1. April 1939 wurden Hollich, Sellen und Veltrup eingemeindet. Am 21. Mai 1950 wurde Borghorst zur Stadt ernannt. Den Namen „Burgsteinfurt“ trug die Stadt von etwa 1850 bis zur Gebietsreform im Jahr 1975. Mit Inkrafttreten des Münster/Hamm-Gesetzes am 1. Januar 1975 entstand die neue Stadt Steinfurt mit den Stadtteilen Borghorst und Burgsteinfurt.

Namensgebung:

Burgsteinfurt Stenvorde, Burgsteinfurt „Burg an der steinernen Furt“

Borghorst Burhurst, Bornhorst, Burchorst, Burchurst, Borchorsth, Borchorst, Borghorst Das Wort Burchurst ist ein zusammengesetztes und besteht aus Burc und hurst. Dabei bezeichnet „Burc“ eine Burg oder ein befestigtes Schloss (castrum), während mit hurst oder horst der Wald gemeint ist.→ „Die Burg im Wald“

Dumte Dume, Dumethe (1283), Dummete (1439), Dumete (1090) Dumme, zu westfälisch dummerig, feucht, dumpfig (von Land); hochdeutsch dumm, von feuchtem Salze, bei Luther, norwegisch-dialektisch dumma, Unklarheit der Luft, Nebeldecke.

Ostedorf wird von einem Hof gleichen Namens (14. Jahrhundert) abgeleitet. „dat hues ton ostendorpe“ – gemeint ist ein Bauerschaft- und Hofname im Osten von Borghorst.

Wilmesberghe, seit 1203 Wilmsberg Der Name Wilmsberg stammt von einem alten Rittergeschlecht.

Bauerschaften

Die 8 Bauerschaften und Dörfer mit ihren Höfen und Hausnummern etwa im Umfang von 1820.

Karten

Alt-Landkreis Münster

Stadt Steinfurt im Kreis Steinfurt

Die Ortsteile der Stadt Steinfurt

Steinfurt Stadt, siehe: Maps

Dokumente

Kreis- und Stadtarchiv Steinfurt

Heimatvereine und Museen

Auskünfte oder weitere ausführliche Unterlagen in digitaler Form zu einzelnen Höfen erhalten Sie unter:

                  info@westfalenhoefe.de
wiki/steinfurt.txt · Zuletzt geändert: 2019/06/04 14:35 von juergen